Anna Jermolaewa |
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| Im Mai 1989, also vor 20 Jahren, lernte ich eine Person in Krakau kennen, die mir sehr geholfen hat und der ich unendlich dankbar bin. Ich musste damals aus politischen Gründen (ich war Mitbegründerin der ersten oppositionellen Partei Demokratische Union und Mitherausgeberin der Parteizeitung) aus der UdSSR flüchten und gelang so nach Polen. Eine junge Frau hat mich und meinen damaligen Partner eine Woche lang bei sich aufgenommen und die Flucht nach Wien, auf der sie uns sogar begleitet hat, organisiert und finanziert. In Österreich bekamen wir dann politisches Asyl. Der Name der jungen Frau war Aleksandra Wysokinska, sie war damals um die 30 Jahre alt und arbeitete in einem Architekturbüro. Vor ein paar Monaten habe ich angefangen Aleksandra über verschiedenste Kanäle zu suchen. Mein Plan war, nach Krakau zu reisen um ein filmisches Portrait von ihr zu machen und vor allem sie zu fragen, warum sie uns, zwei unbekannten Personen, damals ganz uneigennützig geholfen hat, aber vielmehr noch: mich bei ihr richtig zu bedanken. Nach 2 Monaten Recherche bekam ich glücklicherweise ihre Telefonnummer - sie lebt nun in Paris! Aleksandra hat einem Treffen vor der Kamera zugestimmt, welches heuer im Mai stattfand. Sie ist extra dafür aus Paris nach Krakau gekommen. Ich kam ebenfalls, und zwar wie damals vor 20 Jahren, mit dem Zug von St.Petersburg nach Krakau. Das Treffen und die Dreharbeiten in Krakau waren sehr bewegend. Ein zusätzlicher Aspekt der Reise, mit dem ich nicht gerechnet habe: mir wurde plötzlich bewusst, wie viele Einzelheiten aus der Zeit ich komplett vergessen bzw. verdrängt habe. Zum Beispiel erinnerte mich Aleksandra an folgende Geschichte: als wir bei ihr frisch angekommen sind und ihr mitgeteilt haben, dass wir weiter in den Westen flüchten wollen (wir dachten damals an West Berlin und von dort weiter in die USA) meinte sie sofort: „Ja, aber zuerst müssen wir eure Zähne reparieren, denn dadrüben werdet ihr bestimmt keine Sozialversicherung haben“. Sie brachte uns dann wirklich am nächsten Tagen zum Zahnarzt, erzählte ihm unsere Story, woraufhin er uns umsonst die Zähne sanierte. Ein Monat später, bereits aus Traiskirchen, bekam Aleksandra eine Postkarte von uns, im Kuvert war auch eine für den Zahnarzt, dem sie diese auch überbrachte. Auf der Postkarte stand: „Unsere neuen Zähne essen schon kapitalistisches Essen!“ Aleksandra erzählte auch wie sie, um unsere Flucht zu realisieren, auf ihr Dollarkonto zurückgegriffen hat und dass es sich exakt auf einen Dollar ausgegangen sei! Auch wie sie, als der Bus wegen uns an jeder Grenze Stunden stand, und bereits eine riesige Verspätung hatte, das Mikrofon vom Fahrer schnappte und zu den nervösen Fahrgäste sprach: „Unsere Freunde aus Russland haben doch auch ein Anrecht Österreich mal zu sehen“ Woraufhin sie ihnen Süßigkeiten verteilte.
Anna Jermolaewa 2009 |
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Nearly 20 years ago, in May 1989, a Person in Krakow has incredibly helped me and I am deeply thankful to her. At that time I had to flee for political reasons (I was co-founder of the first oppositional party "Democratic Union" and co-publisher of the party news paper) from the USSR. My former partner and I first reached Poland, where a young woman gave us shelter for one week, organized and financed the further fleeing to Vienna. She even accompanied the flight and ensured everything to work out. In Austria we were granted political Asylum. Aleksandra agreed to a filmed meeting with me, which took place in May this year. She travelled the long way from Paris to Krakow. I came too and the same way i did 20 years ago, by train from St. Petersburg to Krakow. The meeting and the shooting in Krakow was very moving. An additional aspect arising from this journey: i now realized how many details i completely forgot or supressed. For example Aleksandra reminded me of following story: when we just arrived at her place and we told her that we wanted to flee further west (we were thinking of West-Berlin and then the USA) she immediately responded: "Yes, alright, but first we have to fix your teeth, because over there you won't have any social insurance." She introduced us to a dentist just the next day, told him our story and he fixed our teeth for free. A month later, when we were already in Traiskirchen Aleksandra received a postcard from us, the same envelope had another porcard for the dentist, which she handed him over. It said: "Our new teeth are already eeting capitalist food!" Aleksandra also told us that she had to fall back to her Dollar-account, and that it ran out except for exactly one dollar. And also, when the bus was stuck at the border to Austria and we had a huge delay, she grabbed the driver's microphone and spoke to the nervous passengers:"Our russian friends have the same right to visit Austria as we do." And then she gave them all sweets. And to my most important question why she helped us back in those days she replied modestly:"It has to do with our polish hospitality." Anna Jermolaewa 2009 |