Anna Jermolaewa |
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Sabine Schaschl: Anna Jermolaewa. Never Stop the Action! In ihrem Video EinlAus rückt die Künstlerin dem Symbol des Phallus in ironischer Weise mit all seinen Konnotationen von Macht, Stärke und hierarchischer Vormachtstellung auf den Leib. Der domestizierte Phallus erlernt' darin das Betätigen eines Lichtschalters, den er in sisyphoshafter Manier und in permanenter Wiederholung ein- und ausschaltet. Bei diesem Der feministische Blickwinkel, aus dem dieses Video zu sehen ist, sucht nicht die Bloßstellung des Männlichen, sondern die Befreiung aus den traditionellen Rollenzuschreibungen der Geschlechter. Die "zwingende Frontalität", von der Harald Szeemann im Zusammenhang mit der Videoarbeit Henditriptychon spricht, und weiche auch in ihren anderen Videoarbeiten zu konstatieren ist, lenkt dabei gleichzeitig den Rezeptionsfokus auf Außenliegendes. Es entsteht der Eindruck, als gäbe es eine Anwesenheit von etwas im Videobild Abwesenden. Bei Ein/Aus imaginieren die Betrachter eine sich im Raum aufhaltende Person, die das Geschehen beeinflußt oder lenkt, Auch in der Videoarbeit 3' Überlebensversuche spielen die Frontalität des Bildes, die Beschränkung der Themenwahl auf ein zentrales Motiv und deren Wiederholung eine wichtige Rolle für die geistige Umleitung auf das Dahinterliegende. Vierzehn Stehaufmännchen geraten darin durch eine unbekannte Kraft in Bewegung und können diese nicht mehr stoppen. Mit steigender Bewegungsgeschwindigkeit fallen sie ins Unbekannte und verschwinden, begleitet von lauten Knallgeräuschen. Stehaufmännchen sind nicht nur Spielzeuge für Kinder, sondern fungieren auch als Symbol für das Vermögen von Problemverarbeitungen von Individuen. Was auch geschieht - ein Stehaufmännchen läßt sich durch nichts umwerfen und steht immer wieder auf, um nochmals von vorne zu beginnen. Das Video nimmt jene Eigenschaftmittels Loop-Verfahren wörtlich. Das eindringliche, beinahe schußartige Aufprallen der Figuren abseits des Sichtbaren geht "unter die Haut" und wird physisch wahrgenommen. Die Puppe als verkleinerte Repräsentantin des Menschen rührt an Körperliches und schafft ein Vergleichsbild für das Agieren innerhalb sozialer Kontexte. in: Lebt und arbeitet in Wien, Ausst. Kat., Kunsthalle Wien 2000, S. 142-147. |