Anna Jermolaewa

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Anna Jermolaewa

Eröffnung: 18.06.2009, 19 Uhr

Ausstellung: 19.06.2009 – 31.07.2009

Pressetext:

„In der Gorbatschow Zeit stand unser Land am Rande des Abgrundes...

Danach machten wir einen Schritt nach vorne...“

(Zitat aus Kremlin Doppelgänger, 2009)

Doppeldeutigkeit schwingt in den meisten Arbeiten der Russischen Videokünstlerin Anna Jermolaewa mit, die sie in ihrer Einzelausstellung in der Engholm Engelhorn Galerie präsentiert.

Ob in der Lightbox, die eine Innenaufnahme von Mies van der Rohes Deutschem Pavillon in Barcelona zeigt, in der zwei Kanal Videoinstallation „Auf die Seite“, der Videoarbeit „Kremlin Doppelgänger“ oder in der um eine weitere Videosequenz gewachsenen Fortsetzungsarbeit „Fünf Jahresplan“.

Dabei bleibt die Künstlerin auch in den neuen Arbeiten ihrer Vorgehensweise treu, alltägliche und vertraute Situationen auf nüchterne Art und Weise zu dokumentieren, aber durch den gewählten Bildausschnitt, die Montage und die Wahl des Moments in der Banalität das Skurrile und Absurde offen zu legen. Damit schafft sie es, gerade in einfachen Handlungen und Geschichten, komplexe Situationen und teilweise große Diskrepanzen zwischen der Realität und der Vorstellung von dieser auf spielerische, aber punktgenaue Weise aufzuzeigen.

In Anna Jermolaewas neuestem Video „Kremlin Doppelgänger“ ist Moskau einer von zwei Schauplätzen, genauer der Rote Platz, das architektonisches Symbol dieser Stadt und für Russland. Die zweite Location ist „The Kremlin Palace Hotel“ in Antalya, ein unter Russen sehr beliebtes All Inclusive Hotel, in welchem in einem Nachbau des Kremls und der Basilius Kathedrale geschlafen, gegessen, getrunken und am Pool gesonnt und geplanscht werden darf. Neben den Hotelgästen, die Ihre Wahrnehmung vom Urlaub an der Kopie vom Roten Platz schildern, kommt am Originalschauplatz ein Doppelgänger Gorbatschows zu Wort, der aus seinem Leben als Politiker und als pensionierter Ingenieur berichtet.

Als zweiterer könnte er auch einer der Menschen sein, die Anna Jermolaewa in der dreiteiligen Videoarbeit „Fünf Jahresplan“ mit versteckter Kamera auf einer Rolltreppe der St. Petersburger U-Bahn filmte. Kaum merklich sind die Unterschiede in den drei Einstellungen, obwohl jeweils fünf Jahre zwischen ihnen liegen. Die Pelzmützen und Wodkaflaschen der Passanten bleiben dieselben, nur die Wandlung der Werbelandschaft markiert den Zeitsprung. Die Utopie des Fünfjahresplans trifft auf die Härte einer dokumentarischen Kamera, die zwar auf die Sowjetischen Filmpioniere Dziga Vertov und Sergei Eisenstein verweist, aber dabei deren aufbrecherischen Aussagen im Loop der Unveränderlichkeit zermürben und gleichzeitig in unser Gedächtnis zurück rufen.

Anna Jermolaewa (geb. 1970, in St. Petersburg) lebt und arbeitet in Wien. Unter anderem hatte sie Einzelausstellungen im Kunstverein Friedrichshafen (2009), XL Gallery Moscow (2008), Museum moderner Kunst, Passau (2004) und Magazin 4, Bregenz (2002), Blickle Stiftung (2002) und war an mehreren internationalen Gruppenausstellungen beteiligt, wie zum Beispiel im National Centre for Contemporary Arts, Moskau (2009), Herzliya Museum of Contemporary Art, Tel-Aviv (2008), Mumok, Wien (2005), Kiasma’s Collection, Helsinki (2005), Sprengel Museum, Hannover (2003), Frankurter Kunstverein (2002), Stedelijk Museum (2001) und Venedig Biennale (1999).

Für weitere Information zur Ausstellung kontaktieren Sie bitte Kerstin Engholm unter +43 1 585 7337.